Die Hälfte des europäischen Mittelstands ist noch nicht bereit für die Cloud

Die Hälfte der mittelständischen Industrieunternehmen in Europa ist noch nicht bereit für die Cloud. Die neueste Studie von Forterro zeigt die Gründe – und wie Führungskräfte jetzt handeln sollten.
Die neueste Studie von Forterro hat ermittelt, dass 39% der Unternehmen bereits Cloud-ERP nutzen. Weitere 31% setzen noch auf hybride Systeme, 28% arbeiten weiterhin mit On-Premise-ERP-Systemen, die an lokale Installationen gebunden sind. Mit anderen Worten: Auf jedes Unternehmen, das auf die Cloud umgestiegen ist, kommt zahlenmäßig ein anderes, das noch immer mit veralteten Servern, manuellen Prozessen und eingeschränkter Transparenz zu kämpfen hat.
Dieser Sachverhalt zeigt nicht nur eine technische Lücke, sondern auch eine Wettbewerbslücke. So glauben mittlerweile 57% der Entscheidungsträger, dass Unternehmen, die sich gegen den Umstieg auf die Cloud wehren, Schwierigkeiten haben werden, ihren Marktanteil zu halten.
Die Botschaft ist klar: Der Mittelstand weiß, was sich ändern muss. Die Frage ist: Was hält die Unternehmen davon ab?
Warum der Fortschritt ins Stocken geraten ist
Die Forterro-Studie zeichnet ein Bild von Unternehmen, die den Wert der Cloud zwar erkennen, ihn aber nicht immer ausschöpfen können. Die drei häufigsten Hindernisse waren:
- Fehlendes Budget (32%) – Die Cloud-Migration konkurriert oft mit anderen Investitionsprioritäten, insbesondere wenn die Unternehmen mit sehr dynamischen Märkten in schnellem Wandel konfrontiert sind.
- Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit (31%) – Für manche ist es schwierig, sich von der Denkweise „Was unter unserem Dach ist, ist sicher“ zu lösen.
- Mangelndes Interesse der Geschäftsleitung (30%) – Veränderungsmüdigkeit und Risikoscheu bremsen nach wie vor den Fortschritt.
Diese drei Probleme sind Realität im deutschen Mittelstand. Viele Unternehmen bewältigen daher komplexe Abläufe mit schlanken Teams und älteren Systemen, die schwer zu entwirren sind. Aber je länger sie warten, desto teurer wird ein Umstieg – nicht nur in Bezug auf die fehlende Effizienz, sondern auch in Bezug auf Mitarbeiterbindung, Compliance und Kundenvertrauen.
Die wahren Kosten des Stillstands
Wenn Teams ihre Zeit damit verbringen, Altsysteme notdürftig mit provisorischen Lösungen zu reparieren, dann verlieren sie Zeit, welche sinnvoller investiert werden könnte, zum Beispiel in Innovationen, Effizienzsteigerung und Qualitätssicherung. Datensilos vergrößern sich, Integrationen brechen zusammen und Mitarbeiter finden selbständig Workarounds, die wiederum neue Risiken mit sich bringen.
Die Daten der Studie von Forterro zeigen, dass über 60% der Unternehmen ihren Fortschritt bei der digitalen Transformation nur als „ausreichend” oder „mangelhaft” bewerten. Die Cloud-Lücke ist ein wichtiger Grund für das schwache Zeugnis.
Ohne cloudbasiertes ERP haben mittelständische Hersteller Schwierigkeiten, auf Echtzeitdaten zuzugreifen, die Berichterstellung zu automatisieren oder mit Tools wie KI und Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung) zu experimentieren. Fast die Hälfte (49%) der Unternehmen gibt an, dass sie aufgrund ihrer mangelnden Cloud-Nutzung nicht von den Vorteilen dieser neuen Technologien profitieren können.
Einfach ausgedrückt: Mit der Infrastruktur von gestern kann man keine moderne Produktion steuern.
Was Vorreiter-Unternehmen anders machen
Die erfolgreichsten mittelständischen Unternehmen verfolgen einen gemeinsamen Ansatz: Sie betrachten die Cloud als operative Strategie und nicht als IT-Projekt. Sie gehen schrittweise vor und beginnen dort, wo sich der Nutzen klar zeigt:
- E-Rechnungsstellung und Dokumentenmanagement zur Verbesserung der Compliance und Geschwindigkeit.
- Advanced Planning and Scheduling (APS) zur Verwaltung von Ressourcen und Nachfrageschwankungen.
- KI-gestützte Analysen, um Produktionsdaten in Erkenntnisse umzuwandeln.
Außerdem beziehen sie ihre Teams frühzeitig mit ein. Der Widerstand gegen Veränderungen sinkt, wenn die Mitarbeiter sehen, dass Cloud-Tools vielmehr die täglichen Frustrationen beseitigen als dass sie neue Probleme bringen würden.
Die Ergebnisse sprechen für sich: Unternehmen berichten von einer stärkeren Leistung, einfacheren Backups und einer höheren Widerstandsfähigkeit bei Störungen in der Lieferkette. Jeder vierte Befragte nannte ausdrücklich „größere Geschäftskontinuität” als einen der wichtigsten Vorteile von Cloud-ERP.
Der DDP (Digital Product Passport) kommt
Mit dem Inkrafttreten der EU-Initiative „Digital Product Passport” (DPP) im Jahr 2026 wird Cloud-Readyness bald sowohl zu einer Frage der Compliance als auch der Wettbewerbsfähigkeit. Die Verwaltung von Produktdaten über den gesamten Lebenszyklus hinweg wird mit voneinander getrennten Insel-Systemen nahezu unmöglich sein.
Der Mittelstand kann nicht auf den perfekten Moment für die Modernisierung warten, sondern muss mit klaren, überschaubaren Schritten beginnen, einen Partner wählen, der das industrielle Umfeld versteht, und Dynamik aufbauen.
Thomas Knorr, Vice President Cloud Transformation bei Forterro, drückt es so aus:
Für jedes Unternehmen ist die Cloud der Schlüssel zur Erschließung von Innovationen und dem Potenzial fortschrittlicher Technologien. Für den industriellen Mittelstand entwickelt sich die Cloud von einem Nice-to-have zu einer Business-Grundvoraussetzung.
Die Lücke schließen
Der Mittelstand muss keinen Sprint hinlegen, aber er sollte beginnen. Jeder Prozess, der in die Cloud verlagert wird, ist ein weiterer Schritt in Richtung Agilität, Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsvorteil.
Die Chance ist da: 52% der Befragten gaben an, dass die Cloud in ihrem Unternehmen nach wie vor ein ungenutztes Potenzial darstellt. Das ist keine Misserfolgsstatistik, sondern eine Startlinie.
Die digitale Zukunft der mittelständischen
Industrieunternehmen in Europa
Basierend auf Erkenntnissen von mehr als 1,200 ERP-Führungskräften hebt Forterros neuer Forschungsbericht die Herausforderungen, Trends und Chancen hervor, denen der industrielle Mittelstand heute gegenübersteht.
